Hören - Zuhören - Gehört werden

Zuhören wertfrei, verurteilungsfrei, sein lassen was gerade da ist, den anderen bewegt, berührt, in ihm lebendig ist.

Gleichzeitig wahrnehmen ob und wenn ja was es (das Gehörte) mit mir macht bzw. in mir auslöst. In sich selbst hineinhören. Den Impuls "seinen eigenen Senf dazu zu geben" vorerst zurückstellen. Mit sich selbst verbunden bleiben und gleichzeitig ganz präsent sein für den anderen.

 

Es klingt einfach und ist doch eine Herausforderung.

 

Wenn wir gelernt haben zuzuhören, dann wird für uns erfahrbar, welch wunderbares Geschenk das Zuhören ist. Wie Ent - spannung eintritt. Wie die Kreativität fließt. Wie jemand, dem das Geschenk des Gehört werdens zuteil wird, mit sich selbst in Verbindung kommt. Seine Bedürfnisse entdeckt und seine eigenen Wege findet diese zu erfüllen. 

 

Verstand - verstehen - Verständnis - verstanden werden

Intellektuell erfassen, das Gehörte wiedergeben können, klingt einfach, oder? Wir haben das z.B. über unser bestehendes Schulsystem gelernt. Etwas verstehen bedingt nicht automatisch auch, mit etwas "ein"verstanden sein.

 

Wie sieht das in Bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen aus?

Welche Bedeutung hat es, dass das was wir sagen beim anderen so ankommt, wie es von uns gemeint ist?

Was braucht es dazu, dass wir uns so ausdrücken, dass der andere unser  Anliegen auch hören kann? Schauen wir uns dazu zwei Situationen an:

 

  • Situation 1:

Vater sagt zum 4jährigen Kind: "Lass das Stanleymesser liegen."  

Kind antwortet: " Du bist gemein!" 

 

Beim Vater ist vielleicht Besorgnis in bezug auf die körperliche Unversehrtheit seines Kindes da und Bedürfnisse nach Schutz und Sicherhei, sowie Effektivität und Leichtigkeit. 

Das Kind fühlt sich vielleicht zurück gewiesen und hat Bedürfnisse nach beitragen können und lernen)


  • Situation 2:

Frau sagt zum Partner: "Jeden Abend hängst du nach der Arbeit mit deinen Kumpels in der Kneipe herum."

Partner antwortet: "Zick nicht rum. Ich werd´doch nach dem anstrengenden Job noch auf ein Bier gehen können."

 

Die Frau ist vielleicht traurig, alleine, eifersüchtig, weil ihre Bedürfnisse nach Gemeinschaft und Nähe unverfüllt sind.

Ihr Partner ist vielleicht genervt, weil seine Bedürfnisse nach Entspannung, Selbstbestimmung und Freiheit unerfüllt sind.

 

Wie könnten die beiden Situationen z.B. in der Übersetzung ablaufen?

  1. Der Vater fragt nach, ob das Kind gerne helfen möchte. Ist das der Fall, dann könnte er dem Kind ein anderes Werkzeug anbieten.
  2. Die Frau sagt ihrem Mann, dass sie gerne mehr Zeit mit ihm verbringen möchte und schlägt ihm vor einmal pro Woche gemeinsam essen zu gehen.

 

Wir benötigen also Klarheit darüber, was wir brauchen und die Bereitschaft heraus zu hören bzw. zu erfragen, was der andere braucht. Je klarer und konkreter wir uns ausdrücken umso wahrscheinlicher ist es, dass wir gehört werden.